VHE-Nord

Stoffliche Verwertung von Bioabfall vor dem Aus

Offener Brief des VHE-Nord zur Düngeverordnung (DüV)

Der VHE-Nord hat am 18.01.2017 alle Landräte der Kreise, Oberbürgermeister der kreisfreien Städte der Länder Niedersachsen, Schleswig‐ Holstein und Mecklenburg‐Vorpommern sowie die Senatoren für Umwelt und Wirtschaft in Hamburg und Bremen angeschrieben und mit einem offenen Brief über die Folgen der neuen Düngeverordnung (DüV) informiert. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den nächsten Wochen soll die novellierte Düngeverordnung (DüV) mit Zustimmung des Bundesrates verabschiedet werden. Hierdurch wird der Nährstoffeintrag auf landwirtschaftliche Flächen strenger geregelt und am tatsächlichen Bedarf der Pflanzen und des Bodens ausgerichtet. Außer für Gülle und Gärreste gilt die Verordnung auch für den landwirtschaftlichen Einsatz von Kompost. So wird u.a. in § 8 DüV festgelegt, dass der im Kompost enthaltene Stickstoff zu 100 % in die Nährstoffbilanz einbezogen werden muss, obwohl nur 5 – 10 % des Stickstoffs tatsächlich pflanzenverfügbar sind. Der überwiegende Anteil ist in der Humusstruktur des Kompostes gebunden.

Sollte diese Regelung so bestehen bleiben, wird das drastische Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Verwertung von Kompost haben. Landwirte werden keinen Kompost mehr einsetzen können und wollen, da sie sonst in ihrem Nährstoffvergleich einen zu hohen Stickstoffanteil ausweisen müssen, ohne eine ausreichende Versorgung der Pflanzen erreicht zu haben.

In der Folge wird es in allen Kompostwerken zu einem Materialstau kommen, der in kurzer Zeit dazu führen wird, dass die Annahme von Bio- und Gartenabfällen nicht mehr möglich ist.

Folge:
Der gesamte Kreislauf der stofflichen Verwertung von Bioabfall wird so zum Erliegen kommen!

Die Abfuhr der Bioabfälle aus den Haushalten ist damit kurzfristig infrage gestellt!

Ein Entsorgungsproblem wird dann auch auf Ihren Aufgabenbereich erwartungsgemäß zukommen.

Der VHE-Nord als Vertreter der norddeutschen Kompostwerksbetreiber wendet sich daher mit der Bitte an Sie, sich bei der Landesregierung dafür einzusetzen, dass der Bundesrat eine Änderung des § 8 wie folgt beschließen möge:

„(5) Um Besonderheiten bei bestimmten Betriebstypen, bei der Anwendung bestimmter Düngemittel, beim Anbau bestimmter Kulturen, der Erzeugung bestimmter Qualitäten, der Haltung bestimmter Tierarten oder der Nutzung bestimmter Haltungsformen oder nicht zu vertretenden Ernteausfällen Rechnung zu tragen, darf der Betriebsinhaber unvermeidliche Verluste und eine geringe pflanzenbauliche Verfügbarkeit nach Vorgabe oder in Abstimmung mit der nach Landesrecht zuständigen Stelle berücksichtigen.“

Wir hoffen auf diesem Wege und mit Ihrer Hilfe der stofflichen Verwertung von Bioabfällen weiterhin eine Zukunft geben zu können.

Zur vertiefenden Information fügen wir Ihnen die Stellungnahme der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) bei. Sprechen Sie uns gerne an, falls Sie weitere Informationen benötigen.

Verband der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord E.V.

Offener Brief zur DüV als Datei (Download pdf)

Kontakt
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